Neuigkeiten

Dec 3
2020
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Wie wirken Solarparks auf das Landschaftsbild?

Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende will mit einer neuen Bewertung die Planung von Solarparks unterstützen und die Akzeptanz erhöhen.

Der stark ansteigende Ausbau der Solarenergie in der Freifläche geht mit Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes einher, die zentral für die Akzeptanz des Ausbaus unter der Bevölkerung sein können. Heute gibt es nach Ansicht des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE) keine einheitlichen Bewertungskriterien und -maßstäbe. Daher falle die Bewertung der landschaftsbildlichen Beeinträchtigungen stark vereinfacht und intransparent aus.

Hohes Ersatzgeld möglich
Das kann nicht nur die Akzeptanz in der Bevölkerung mindern, schreiben die Autoren in der 24-seitigen Analyse „Auswirkungen von Solarparks auf das Landschaftsbild“. Planer von Solarparks könnten auch zur Zahlung von überhöhten Ersatzgeldern verpflichtet werden.

Hintergrund ist, dass das Baugesetzbuch derzeit novelliert wird. Ist ein Ausgleich für eine Baumaßnahme nicht möglich, soll künftig ein Ersatzgeld erhoben werden können Dessen Höhe bemisst sich nach den durchschnittlichen Kosten der nicht durchführbaren Ausgleichsmaßnahmen einschließlich der Bereitstellung hierfür erforderlicher Flächen. Sind diese Kosten nicht feststellbar, wird die Höhe des Ersatzgeldes nach Dauer und Schwere der voraus- sichtlichen Beeinträchtigung abhängig gemacht. „Eine fundierte Auseinandersetzung mit Qualität und Beeinträchtigung des Landschaftsbildes könnte durch den Fokus auf die für die Ersatzgeldbemessung relevanten Kriterien in den Hintergrund geraten“, befürchtet das KNE.

Mehr Planungssicherheit
Darum sei eine fundierte Methode zur Bewertung der Auswirkungen von Solarparks auf das Landschaftsbild die Voraussetzung für eine angemessene Berücksichtigung des Landschaftsbildes bei der Eingriffsregelung in der Bauleitplanung. Nachvollziehbare Bewertungsschritte können die Transparenz und damit die Akzeptanz der Bewertungsergebnisse steigern sowie die Planungssicherheit für Projektierer verbessern. Vor diesem Hintergrund untersucht die jetzt veröffentlichte Ausarbeitung aktuelle Bewertungsverfahren und formuliert Empfehlungen für deren Verbesserung. Sie finden diese unter www.naturschutz-energiewende.de

Dec 2
2020
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Experten diskutieren kontrovers über Solarparks als Ausgleichsfläche

Solarparks lassen sich naturverträglich bauen. Das zeigt eine Diskussionsrunde des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE).

Der Ausbau von Solaranlagen auf der Freifläche geht weiter stark voran. Darum stellen sich immer mehr Fragen zur naturverträglichen Umsetzung. Um die Debatte zu versachlichen und Naturschutzkonflikte zu vermeiden, bietet das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) mit dem Forum „Naturverträgliche Solarparks“ Raum zum übergreifenden Austausch der Akteure. Es zeigt sich, dass Solarparks nicht nur Konflikte, sondern neben ihrem Beitrag zum Klimaschutz auch einen ganz erheblichen Nutzen für die Artenvielfalt bieten können. Am 10. September 2020 diskutierten knapp 35 geladene Vertreter aus der Solarbranche, Naturschutzverbänden, Ministerien, Behörden, Kommunen und Energieagenturen verschiedener Bundesländer darüber, ob Solarparks als Ausgleichsfläche angelegt werden können.

Biotope innerhalb der Parks möglich
Beispiele dafür, dass bei immer mehr neu entstehenden Solarparks von Beginn an auch Naturschutzaspekte mitgedacht und mitgeplant werden, stellte Dipl.-Biologin Christina Grätz, Geschäftsführerin der Nagola Re GmbH, vor. Sie hat Brandenburger Solarparks bei der fachkundigen Begrünung beraten und begleitet. War Grätz als Naturschützerin selbst anfangs noch skeptisch, ist sie mittlerweile überzeugt, dass in Solarparks prinzipiell ein Potenzial zur Aufwertung durch Extensivierung besteht und diese Trittsteinbiotope darstellen können. Es gebe allerdings vieles zu bedenken: Für Flora und Fauna seien große Modulabstände wichtig, und die Einsaat müsse an jeden Solarpark individuell angepasst werden. Strukturen müssten geschaffen, Nistplätze für Insekten bereitgestellt und offene Bodenstellen zugelassen werden, damit der gesamte Solarpark besiedelt wird. Auch kleine Gewässer, Gehölzstreifen für Fledermäuse, oder spezielle Konstruktionen an Trafohäuschen für Vögel oder Fledermäuse könnten angeboten werden. Grätz rät dazu, sich jeweils mit den Naturschützern vor Ort zu beraten, welche Arten in der betreffenden Region bei der Planung berücksichtigt werden sollten, und was das für die individuelle naturverträgliche Gestaltung der Solarparks bedeutet.

Jeder Standort braucht eine individuelle Planung
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass bei den vorgestellten Beispielen durch gut durchdachte Maßnahmen sowohl eine Aufwertung des Bodens stattfinden als auch das Landschaftsbild – etwa durch Gehölzanpflanzungen und Blühflächen – geschützt werden konnte. Ein bereits naturschutzaktiver Solarpark-Betreiber bezifferte die Ertragseinbußen zwar (beispielhaft) mit rund 20 Prozent, dem Wunsch, Solarparks naturverträglich zu gestalten, stand das aber offenbar nicht entgegen. Die Debatte zeigte aber auch, dass die Brandenburger Maßnahmen nicht ohne Weiteres bundesweit übertragbar sind, sondern von Standort zu Standort neu nach Möglichkeiten für den Eingriffsausgleich oder eine sogar über-obligatorische Aufwertung der Solarparkfläche gesucht werden muss. Es besteht Forschungsbedarf zu der langfristigen Wirkung verschiedener Maßnahmen. Interessant wäre es aus Sicht der Teilnehmenden beispielsweise, die Veränderung der Vegetation unter und zwischen den Modulen zu beobachten.

Mit Aufwertungsmaßnahmen einen Beitrag zum Naturschutz leisten
Wie lassen sich Rahmenbedingungen schaffen, die das Naturschutzengagement von Solarpark-Betreibern unterstützen, fördern, aber ggf. auch ordnungsrechtlich steuern? Dazu wurden im zweiten Teil des Workshops von verschiedenen Teilnehmenden Impulse gegeben, unter anderem zum Instrument der Ökokonten und zu den Flächenpools, zu denen sich angeregte Diskussionen entwickelten. „Die dahinterstehende Idee ist, dass sich Solarpark-Betreiber zusätzliche Aufwertungsmaßnahmen im Rahmen landesweiter oder kommunaler Ökokonten anerkennen lassen können“, so Natalie Arnold, Referentin für naturverträgliche Solarenergie am KNE. Diese Maßnahmen sollten nicht nur den eigenen Eingriff ausgleichen, sondern darüber hinaus einen nennenswerten Beitrag zum Naturschutz leisten. Damit kämen die Solarparks ggf. auch für andere Bauprojekte als Ausgleichfläche in Frage, die dann wiederum keine oder weniger zusätzliche Flächen benötigten.

Kontroverse Diskussion über Ökopunkte
Zur Frage, ob Solarparks „ökokontofähig“ seien, gab es kritische Anmerkungen. Die Ausgleichsmaßnahme müsse für die Dauer des Eingriffes zur Verfügung stehen, wodurch Nutzung und Gestaltung eines Solarparks eingeschränkt würden. Es sei fraglich, ob die Pächter der Flächen derart langfristigen Festlegungen zur Nutzung der Fläche zustimmen würden, wenn die Solarparkbetreibenden nicht selbst die Eigentümer seien. Von Naturschutzseite wurde zudem zu Bedenken gegeben, dass die zusätzliche Aufwertung vom Ausgleich des eigenen Eingriffs sauber getrennt werden müsse. Andere Teilnehmende verwiesen darauf, dass mit der Ökokonto-Anwendung der Flächendruck vor Ort sinken könne.

Einzelne Betreiber verdeutlichten, dass ihre Hauptmotivation für eine freiwillige Aufwertung die Steigerung der Akzeptanz vor Ort sei und der Wunsch, einen gesellschaftlichen Beitrag zur Biodiversität zu leisten. Mehrere Betreiber wünschten sich eine Diskussion darüber, wo und wie im Solarpark eine Aufwertung stattfinden könne, sowie klare Regeln, an denen sie sich orientieren könnten. Ob die Aufwertung und ihre Anerkennung im Rahmen eines Ökokontos nur am Rand des Solarparks möglich sein sollten, also getrennt von den eigentlich Modulflächen oder bei genügend Abstand auch zwischen den Modulflächen, darüber war man sich im Workshop nicht einig.

Einigkeit bestand aber darüber, dass eine ökologische Begleitforschung wichtig sei, und dass einheitliche Standards bei der Bewertung des Ausgangs- und Zielbiotopes in Solarparks sowie ein regelmäßiges und verlässliches Monitoring mehr Vertrauen und Orientierung schaffen könnten.

Das KNE-Forum „Naturverträgliche Solarparks“ wird zukünftig zweimal im Jahr stattfinden und damit dem gegenseitigen Austausch zu aktuellen Themen und Erfahrungen Kontinuität verleihen. Über das Forum hinaus wird es von Seiten des KNE auch Angebote für Fachgespräche sowie zu weiteren Formaten geben.

Dec 1
2020
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Solardeckel abgeschafft: Doch was bedeutet das für die Landwirte?

Der Solar-Ausbaudeckel von 52 GW ist abgeschafft. Die Bundesregierung hat sich endlich entschlossen, die Marktdynamik nicht weiter zu bremsen. Landwirte können jetzt in Ruhe ihre Chancen abwägen.

Seit Monaten weist die Solarbranche darauf hin, dass Investoren in neue PV-Projekte nach wie vor  eine Vergütung erhalten müssen, auch wenn in Deutschland die 52-GW-Ausbaukapazität erreicht ist. Endlich hat die Bundesregierung gehandelt. Zwar spät, aber immerhin ist diese Unsicherheit nun vom Tisch. Das ist für die Landwirtschaft ein positives Signal. Jetzt, wo einige Länder ihre strikten Richtlinien zur Flächennutzung von Photovoltaik lockern, ergeben sich für Landwirte neue Chancen. Jetzt haben investitionsfreudige Entscheider mehr Zeit, um zu überlegen, welche Flächen für eine mögliche PV-Nutzung geeignet sind.

Zweifachntuzung von Freiflächenanlagen
In Sachen Freiflächenanlage ist eine Zweifachnutzung ein lukratives Modell. Wer zum Beispiel auf einem schlechten Standort Heu ernten kann und gleichzeitig Pachteinnahmen durch die PV-Anlage erhält, spült langfristig sichere Einnahmen in seine Betriebskasse. Gleichzeitig kann eine PV-Anlage auf einem schlechten Standort zu mehr Naturschutz und Artenvielfalt beitragen. Bei der Photovoltaik am Boden geht es nicht nur um riesige Flächen. Im Gegenteil: Auch kleinere Landstücke von 0,5 ha können für PV-Projektierer attraktiv sein. Die Geschäftsmodelle sind vielfältiger geworden. Lösungen ergeben sich oft erst auf den zweiten Blick.

Konstante Einnahmequelle
Klar, das große Geld lässt sich mit PV – ob auf dem Dach oder am Boden – nicht (mehr) verdienen, aber eine konstante Einnahmequelle trägt zum nachhaltigen Wirtschaften eines Betriebes bei. Gegenüber der Windkraft haben die Solarpanele einen entscheidenenden Vorteil: die Akzeptanz in der Bevökerung ist größer und Bürgerinitiativen gegen ein PV-Projekt sind deutlich seltner als gegen Windkraftprojekte. Wer als Landwirt diese temporären PV-Aufschwung nutzt, kann mit seinem Engagement als positives Beispiel vorangehen.

Die Gesellschaft muss (wieder) verstehen, dass die Betreiber von PV- und Biogasanlagen aus der Landwirtschaft der Motor der Energiewende sind. Leider rückten Umweltverbände, Medien und Politik etwa Biogas in der Vergangenheit in ein schlechtes Licht. Somit wurde es schwer, die wahre Rolle des Landwirts zu verdeutlichen. Die Chancen, die jetzt PV bietet, können das ein Stückweit ändern.

Nov 2
2020
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Deutschland erzielt Solarstrom-Rekord

Deutschland hat seit Jahresbeginn mehr Sonnenenergie erzeugt als im gesamten vergangenen Jahr, rechnet der Energiekonzern Eon vor. Auch das Fraunhofer-Institut sieht ein Rekordjahr.

In Deutschland ist seit Jahresbeginn schon mehr Strom mit Sonnenenergie erzeugt worden als im gesamten Vorjahr. Nach Berechnungen des Energiekonzerns Eon speisten Solaranlagen 2020 bislang rund 43 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz ein. Das seien etwa eine Milliarde Kilowattstunden mehr als im gesamten Jahr 2019, wie aus der Eon-Analyse hervorgeht.

Auch die gesamte Ökostromproduktion in Deutschland ist laut Eon auf Rekordkurs. Seit Januar hätten Windräder, Solar- und Biomasseanlagen, Wasserkraftwerke und andere erneuerbare Energiequellen rund 195 Milliarden Kilowattstunden Strom eingespeist. Im vergangenen Jahr seien es bis Ende Oktober 187 Milliarden Kilowattstunden gewesen, sodass sich ein Plus von gut vier Prozent ergebe.

Mit dem bislang in diesem Jahr erzeugten Solarstrom ließe sich Eon zufolge rein rechnerisch annähernd zweimal der jährliche Strombedarf sämtlicher Privathaushalte in Deutschland decken. Der mit Abstand größte Stromverbraucher ist allerdings die Industrie.

Auch nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) wird dieses Jahr zum Rekordjahr für erneuerbare Energien: Demnach produzierten Wind-, Solar-, Biomasse- und Wasserkraftwerke vom Jahresanfang bis zum 22. Oktober zusammen 52,5 Prozent der öffentlichen Nettoproduktion. Im vergangenen Jahr betrug der Ökostromanteil noch 46 Prozent.

Nov 1
2020
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Agrophotovoltaik – die Energiewende der Landwirtschaft?

Landwirtschaft unter Solarmodulen könnte die Energiewende im ländlichen Raum voranbringen. Doch wie lässt sich Agrophotovoltaik in die Praxis umsetzen? Diese Frage war Thema einer BayWa-Diskussion.

Wie kann eine nachhaltige Landwirtschaft funktionieren, die gleichzeitig die Energiewende vorantreibt? Agrophotovoltaik könnte Abhilfe schaffen. Über die Chancen und Grenzen des Systems wurde am vergangenen Freitag in einer Online-Konferenz der BayWa AG diskutiert. Mit Agrophotovoltaik lassen sich gleichzeitig Strom und Nahrungsmittel auf einer Fläche erzeugen. Die auf höheren Gestellen montierten Solarmodule beschatten die landwirtschaftlichen Kulturen, verbessern den Wasserhaushalt und produzieren gleichzeitig günstigen Strom zur Versorgung des Betriebes – so die Theorie. Aber wie sieht das in der Praxis aus?

Warum Agrophotovoltaik?

Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der BayWa AG, stellte die aus seiner Sicht entscheidenden Vorteile der Agrophotovoltaik heraus: „Die doppelte Nutzung von Agrarflächen ist ressourceneffizient, schützt die Kulturen vor Wetterextremen und eröffnet Landwirten eine neue Einkommensquelle“. Die Energienutzung beeinflusse die ursprüngliche Flächennutzung nicht. Das sei angesichts der wachsenden Flächenknappheit ein entscheidender Vorteil.

Potenzial liegt im Obstbau

Nicht jede Anbaukultur sei für Agrophotovoltaik geeignet. Das System wird sich eher bei Nischenkulturen mit einem hohen Deckungsbeitrag durchsetzen, so Lutz. Im Obstbau könnten Photovoltaikanlagen helfen, die Fruchtqualität zu verbessern, die Wasserverdunstung zu reduzieren und die Produktionskosten zu senken. Dr. Benedikt Ortmann, CEO der BayWa r.e. Solar Projects, ergänzte: „Im Beeren- und Steinobstbau sehen wir das größte Potenzial. Aber auch im Weinbau ist Agrophotovoltaik denkbar.“

Für konventionelle Kulturen wie Mais, Getreide oder Raps sei Agrophotovoltaik derzeit unwirtschaftlich. Nicht nur wegen der geringeren Erträge, sondern auch, weil die Photovoltaik-Module wegen der Erntemaschinen sehr hoch aufgeständert sein müssten. Die Bewirtschaftung und Ernte der Flächen gestalte sich daher schwierig. Im Obstbau hingegen könnten die Photovoltaik-Module sogar zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Anbau beitragen, Temperaturextreme puffern und den Einsatz von Folientunneln ersetzen.

Politik bremst Entwicklungen

Agrophotovoltaik habe von allen integrierten Photovoltaikanwendungen das größte technische Potenzial. „Aber die gültige Gesetzgebung hierzulande verhindert, dass das Potenzial genutzt wird“, sagte Lutz. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz werden bislang fruchtbare Ackerflächen nicht berücksichtigt. Das führt dazu, dass Agro-PV-Projekte bei Auktionen aufgrund von Kostennachteilen bisher von vornherein keine Chance haben. Photovoltaik auf Freiflächen schneide kostentechnisch besser ab. Deshalb seien förderrechtliche Rahmenbedingungen nötig, um am Wachstumsthema Agrarphotovoltaik partizipieren zu können. „Energie ist eine nationale Aufgabenstellung. Die EEG-Förderung muss politisch und rechtlich geklärt sein“, so der BayWa-Vorstandsvorsitzende.

Weltweit werde Agrophotovoltaik bislang nur von wenigen Ländern gefördert – darunter die USA, China sowie Frankreich als erstes Land in Europa. Mehr Einheit in Europa bei den länderspezifischen Rahmenbedingungen und weniger Wettbewerbsverzerrungen seien nötige Grundvoraussetzungen, heißt es.

Nov 1
2020
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Doppelnutzung auf dem Acker: Solarstrom und Nahrungsmittel

In Bayern ist eine neuartige Agrophotovoltaikanlage ans Netz gegangen. Die nachgeführten Module sind nach Süden ausgerichtet und lassen sich senkrecht aufstellen.

In Althegnenberg im oberbayrischen Landkreis Fürstenfeldbruck steht neuerdings eine innovative Solaranlage auf einer Ackerfläche. Initiator dafür war Thomas Rebitzer. Der studierte Maschinenbauer und Lehrer an Fach- und Berufsoberschulen (FOS/BOS) in Friedberg plante die Anlage zusammen mit seinen Schülern. Für die Umsetzung der Anlage konnte Rebitzer das Ehepaar Wiedemann, Besitzer der Agrarfläche in Althegnenberg, sowie Pächter und Bio-Landwirt Martin Gastl gewinnen. Zusammen gründeten sie die Agro-Photovoltaik-GbR und stemmten die Finanzierung aus eigenen Mitteln.

14 m auseinander, 2,5 m hoch

Über der rund 2,2 Hektar großen Ackerfläche hat der Solarfachbetrieb „Öko-Haus“ die Solarmodule im Abstand von 14 Metern errichtet. Im Gegensatz zur sonst üblichen Ost-West-Ausrichtung sind die Module auf einem Nachführsystem nach Süden ausgerichtet und in 2,5 Meter Höhe auf einer drehbaren Welle mit einer Gesamthöhe von 4,4 Meter montiert. Durch Solar-Tracking folgen sie dem Lauf der Sonne. „Die PV-Anlage liefert im Durchschnitt rund 20 Prozent Mehrertrag“, erklärt Felix Steber, Geschäftsführer von Öko-Haus.

Module lassen sich senkrecht stellen

Für die Ernte der Ackerfrüchte lassen sich die Module senkrecht aufstellen. Der Landwirt kann den Acker bis zu einem halben Meter an die Tragstützen heran maschinell bewirtschaften. Der Be- reich unter den PV-Montagesystemen soll durch Anlegen von Biotopen oder spezieller Kräuter- und Beerensträuchern dem Artenschutz dienen. Durch die Teilverschattung erreicht der Landwirt je nach Bepflanzung einen Mehrertrag von rund 30 %. Wissenschaftlern zufolge wirkt sich der Schattenwurf positiv auf Lufttemperatur, Einstrahlung und den Wasserbedarf aus: Der Schatten führe zu kühleren Tages- sowie wärmeren Nachttemperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit als beim traditionellen Anbau unter freiem Himmel.

Einspeisevergütung für Agrophotovoltaik gefordert

Die Agrophotovoltaik-Anlage in Althegnenberg ist seit April 2020 am Netz. Die Betreibergesellschaft freut sich über das erfolgreich umgesetzte PV-Projekt, das Signalwirkung auf Folgeprojekte haben soll. Auch auf politischer Ebene will Rebitzer etwas bewirken: „Zur offiziellen Einweihung der Anlage im Oktober laden wir politische Entscheider ein. Agrophotovoltaik ist die Lösung für den Nutzungskonflikt um Flächen. Wir möchten eine Gesetzesänderung erreichen.“ Wenn die Einspeisevergütung für AGV-Anlagen an Autobahnen und Bahnlinien ohne den Abstand von 110 Metern gelte, würden mehr PV-Anlagen dieser Art entstehen. „Das ist unser Ziel“, sagt Thomas Rebitzer.