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Solar statt Hagelnetz – Agri-PV über Obstplantage

Die fünfte Agri-PV Anlage in Baden-Württemberg wurde vor kurzem eingeweiht. Die Pilotanlage steht über einer Obstplantage in Kressbronn beim Bodensee. Ihre Nennleistung liegt bei bis zu 1.700 Kilowatt.

Die Landesregierung Baden-Württemberg will durch die Anlagen im Rahmen der Modellregion Agri-Photovoltaik für Baden-Württemberg die Agri-PV als flächeneffiziente Landnutzung etablieren.

In sechs Reihen stehen die Solarmodule auf Stelzen über den Gala-Äpfeln. Das Solardach bietet nicht nur Schutz vor Hagel, sondern auch vor starkem Regen und Sonneneinstrahlung.

Einige spezielle Apfelsorten wachsen nur im Bodenseeklima, wo auch etwa jeder dritte deutsche Apfel herkommt. Doch der Obstanbau leidet enorm unter den Folgen der Klimakrise. Die Obstbäume blühen tendenziell immer früher und müssen dadurch mehr nächtlichen Frost erleiden.

Der Obstbauer Hubert Bernhard sieht daher in der Anlage eine Sicherung der Zukunft für angehende Bäuerinnen und Bauern. Durch die Photovoltaik eröffnen sich neue Perspektiven der Bewirtschaftung und sichere Einkommensalternativen.

Sogar der Ministerpräsident Winfried Kretschmann nahm an der Einweihung teil und betitelte das Projekt als eine Pionierleistung.

Bis zur nächsten Ernte im Herbst wird sich dann zeigen wie gut es den Pflanzen unter dem PV-System geht und auch inwiefern die Schutzmechanismen des Solardachs den Bedarf nach Pflanzenschutzmitteln reduzieren.

Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme hat das Pilotprojekt mitentwickelt. In der Zukunft sollen Projekte mit dem Schwerpunkt auf Kern- und Beerenobst entwickelt werden.

Quellen: 

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/friedrichshafen/agri-photovoltaik-in-kressbronn-100.html

https://www.energiezukunft.eu/erneuerbare-energien/solar/solarenergie-ueber-bodensee-aepfeln/

Bildquelle: © picture alliance/dpa | Patrick Seeger

EEG-Förderung bald auch für Agri-PV Anlagen auf Grünland?

Der Agrarausschuss des Bundesrates hat sich mit deutlicher Mehrheit für die Berücksichtigung von Dauergrünland als förderfähige Flächenkulisse ausgesprochen.

Auf Dauergrünland soll Agri-PV förderfähig werden

Die Grünlandnutzung soll nicht wie bisher pauschal aus der Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Förderung ausgeschlossen werden.

Durch diese Maßnahme sollen die Einzugsgebiete für Freiflächenanlagen erweitert und Flächenpotenziale besser ausgeschöpft werden.

Ausschluss von Natura-2000-Gebieten

Die Ausschussempfehlung besagt, dass Agri-PV Anlagen auf Dauergrünland in Natura-2000 Gebieten oder andere Grünland-Lebensraumtypen außerhalb dieser Gebiete keine Förderung erhalten können. Der Grund dafür seien die Ziele und Verpflichtungen gegenüber des Arten- und Biotopschutzes. Eine Agri-PV Anlage ließe sich dort nur sehr schwer mit den Schutzzielen vereinbaren, Solche Grünlandtypen hätten oft den Status als Lebensraumtyp gemäß Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie und seien gesetzlich als Biotop oder Habitat geschützt.

Für die Bundesratssitzung am 20. Mai steht das EEG 2023 auf der Tagungsordnung.

Quellen:

https://www.agrarheute.com/energie/eeg-2023-agri-pv-anlagen-gruenland-593419

https://www.wochenblatt-dlv.de/politik/solaranlagen-aufs-gruenland-569149

Agriphotovoltaik – der Weg zur Unabhängigkeit?

Spätestens seit dem Ukraine Krieg ist vielen klar, dass wir von Energieimporten aus dem Ausland abhängig sind. Noch können die Erneuerbaren hierzulande unseren gesamten Energiebedarf nicht decken. Kann die Agriphotovoltaik – also die doppelte Nutzung von Flächen für Solarstrom- und Lebensmittelgewinnung die Lösung sein?

Unsere Flächen in Deutschland sind sehr kostbar. Als Ackerboden beispielsweise im Getreideanbau dienen sie unserer Nahrungsmittelversorgung. Allerdings müssen wir uns auch energetisch unabhängiger machen, wenn wir wirklich die Sicherheit vor geopolitischen Konflikten erreichen wollen.

Es liegt eigentlich auf der Hand dieselbe Fläche für beide Arten der Versorgung zu nutzen. Auch wenn es fast zu schön klingt, um wahr zu sein, so gibt es bereits Beispiel aus der Praxis.

Die Hofgemeinschaft Heggelbach in Herdwangen-Schönach beim Bodensee demonstriert wie es funktionieren kann. Sechs Familien ernten gemeinsam Gemüse, Getreide und Solarenergie auf denselben Flächen. Die Familien können sich durch die Anlage selbst versorgen und Überschüsse ins Netz einspeisen, wodurch weitere Einnahmen generiert werden. So bewahrt sich die Gemeinschaft ein zweites finanzielles Standbein.

Gerade vor dem Hintergrund der Klimakrise ist es nicht unwahrscheinlich, dass Einkünfte im reinen Ackerbau künftig unsicherer werden. Dies hat allen voran mit zunehmenden Trockenperioden, Hitzewellen und Starkwetterereignissen zu tun.

Mit der neuen Fassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2023 könnten Agri-PV Projekte gezielter gefördert werden. Max Trommsdorff vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme äußert: "Wenn wir schauen, was wir auf der Stromseite brauchen, sehen wir bei so aufgeständerten Systemen wie diesen, dass wir mit etwa vier Prozent der landwirtschaftlichen Flächen den gesamten Ausbaubedarf im Solarbereich für die nächsten 20, 30 Jahre abdecken könnten. Das zeigt, was da für ein großes Potential ist."

Quelle: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/agri-photovoltaik-am-bodensee-100.html

Rückbau der PV Freiflächenanlage vereinbaren – Steuern sparen

Wenn Sie Ihre Flächen für die Photovoltaik Nutzung verpachten, erfolgt normalerweise eine Neuberechnung des sogenannten Einheitswertes der Fläche. Dieser Wert ist maßgebend für die Berechnung der Grundsteuer. Flächen der Land- und Forstwirtschaft werden steuerlich mit der Grundsteuer A begünstigt.
Insofern werden Acker- oder Grünflächen niedriger besteuert als eine PV-Freiflächenanlage.

Wird eine Freiflächenanlage höher besteuert?
Warum ist das so?

Jedes Grundstück, ob unbebaut oder bebaut wird mit einer Grundsteuer besteuert. Dabei gibt es Unterschiede in der Einheitswertermittlung je nach Typ des Grundstücks. Unterschieden wird zwischen dem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft und dem Grundvermögen. Zu letzterem zählten bisher die Freiflächenanlagen.

Bis heute war die höhere Besteuerung auch einer der Haupthemmnisse, die viele Landwirt*innen von der Verpachtung Ihrer Flächen für die Solarnutzung abgehalten haben.
Jedoch gibt es nun einen Weg Flächen unter Solaranlagen weiterhin der wirtschaftlichen Einheit der Land- und Forstwirtschaft zuzurechnen.

Aus diesem Grund rät Ecovis-Steuerberaterin Carmen Eibl Landwirt*innen ihren Einheitswertbescheid der verpachteten Fläche an einen Photovoltaikbetreiber zu prüfen, ob die Gemeinde die höhere Grundsteuer B von dieser Fläche erhebt, und gegebenenfalls dagegen Einspruch zu erheben.

Praktischer Hintergrund

Eine Mandantin der Ecovis hatte eine Fläche an einen Freiflächen PV – Betreiber per Gestattungsvertrag überlassen. Daraufhin ordnete das Finanzamt die Fläche dem Grundvermögen zu und besteuerte es mit einem höheren Einheitswert. Dadurch hatte sich die Grundsteuerlast für die Verpächterin enorm erhöht. Doch durch den Einspruch konnte die Steuerlast wieder gesenkt werden.

Ausschlaggebend war das Urteil des Bundesfinanzhofes vom 22.07.2020. Nach diesem Gerichtsurteil verliert eine zur Ausbeute von Bodenschätzen (kies) verpachtete Fläche ihre Zuordnung zur Landwirtschaft nicht. Voraussetzung dafür ist jedoch eine vereinbarte Rekultivierung und die Wiederaufnahme der landwirtschaftlichen Nutzung.

Bei der Mandantin waren im Pachtvertrag mit dem Anlagenbetreiber ein vollständiger Rückbau und die Wiederherstellung des Ausgangszustandes vorgesehen, wodurch ihr Recht zugesprochen wurde.  

Denn mit einer vorgesehenen Rekultivierung und Wiederaufnahme der landwirtschaftlichen Nutzung, ändert sich nichts an der dauerhaften Zweckbestimmung für den land- und forstwirtschaftlichen Betrieb.

Weitergedacht löst sich mit diesem Denkansatz auch die Frage nach der erhöhten Erbschafts- und Schenkungssteuer. Denn wenn die Fläche weiterhin Betriebsvermögen in landwirtschaftlicher Hauptnutzung ist, dann greift auch die erhöhte Erbschaftssteuer nicht.

Quelle: https://www.agrarheute.com/management/recht/pv-freiflaechenanlagen-rueckbau-option-spart-landwirten-steuern-592198

Klimawandel vergessen?

Nicht nur ist diese Logik angesichts infrastruktureller und bürokratischer Hürden schwierig. Viele Gemeinden werden Anträge, die erst in drei Jahren bei ihnen eingehen nicht mehr bearbeiten können oder müssen (wenn alle Flächen bereits festgelegt und projektiert wurden). Darüber hinaus werden viele lokale Netzeinspeisepunkte ausgelastet sein.

Dazu kommt, dass auch der finanzielle Vorteil für die Eigentümer*innen, die ertragsschwache Flächen verpachten könnten, damit schwindet, wenn sie für die Produktion erneuerbarer Energien gar nicht mehr in Frage kommen.

Wir wollen keine ungesunde Luft einatmen!

Dies wird verheerende Folgen für uns alle haben. Allen voran für den landwirtschaftlichen Sektor, der bereits heute die Konsequenzen der Klimakrise spürt.

Mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine kam eine weitere wirkliche Bedrohung dazu. Es ist notwendig, den ukrainischen Staat zu unterstützen und Menschen Schutz vor Gewalt zu gewähren. Doch damit derartige Kriege nicht immer wieder aufs Neue ausbrechen können, braucht es unter anderem ein Umdenken in der Art und Weise wie wir unsere Lebensgrundlage sichern können, ohne die Natur und Menschen auszubeuten und uns von undemokratischen Strukturen abhängig zu machen.

Mit der Gewinnung erneuerbarer Energien können wir einen ersten Schritt in die richtige Richtung setzen. Und am schönsten ist es, wenn die Menschen, die sich in den vielen ländlichen Gemeinden Deutschlands befinden, sich organisieren, um einen gemeinsamen Beitrag zum Frieden und zur Versorgungssicherheit hierzulande zu leisten.

Spätestens seit dem Bericht des IPCC ist deutlich, dass die Zeit uns wortwörtlich davonrennt. Als Solarbetreiber hören wir oft Sätze wie „Wir warten mal ab was die Nachbarn machen.“ oder „Wenn die Gemeinde sich dazu definitiv äußert, dann bin ich dazu bereit meine Flächen für die Solarnutzung zur Verfügung zu stellen.“

Fairer Umgang mit Landwirten

Was bedeutet es eigentlich, wenn wir uns im Rahmen der Selbstverpflichtung für die Gute Planung PV für einen fairen Umgang mit Landwirt*innen stark machen?

Die genauen Punkte können Sie sich im folgenden Dokument anschauen: https://www.bne-online.de/fileadmin/documents/22-04-20_bne_Gute_Planung_PV-Freilandanlagen_-_PrePrint.pdf

Die finale Überarbeitung erfolgt im Herbst 2022.

Wir glauben, dass Partizipation bei Solaranlagen das A und O sind.

Jede Person, die sich mit uns über die Verpachtung ihrer Flächen unterhält, wird von uns in diesem Prozess vollumfänglich beraten und begleitet. Das bedeutet, dass wir alle Vorteile als auch Risiken, die mit der Planung der Anlage verbunden sind, aufzeigen. So kommunizieren wir bspw., dass rechtlich noch nicht final geklärt wurde, ob Flächen, die länger als 5 Jahre nicht umgebrochen wurden, dann auch Grünland bleiben müssen, auch wenn viele Indikatoren dies nicht vermuten lassen.

Wir setzen uns mit dem Fokus auf Agri-Photovoltaik ganz klar für Lösungen ein, die die Vereinbarkeit von Landwirtschaft und Solarparks bedeuten. In jedem Fall beziehen wir alle Interessengruppen so früh wie möglich in den Entscheidungsprozess mit ein. So ist es sehr üblich, dass wir mit Eigentümer*innen und Pächter*innen nach Lösungen suchen, wenn die Flächen nicht mehr im selben Stil wie zuvor weiter bewirtschaftet werden können.

Vorrangig projektieren wir Flächen, die von ertragsschwachen Strukturen geprägt sind und in der Landwirtschaft nur beschränkt nutzbar sind.

Im Falle der Untätigkeit bei der Projektentwicklung ist der Projektierungszeitraum bei uns zeitlich begrenzt und kann auch individuell auf die Situation des Verpächters angepasst werden. Während der Planung werden Verpächter über den Stand der Baumaßnahmen informiert und, sofern gewünscht, aktiv miteinbezogen. Unser Pachtvertrag regelt klar den Rückbau sowie die Wiederherstellung des Ausganszustandes der Fläche.

Keine unserer Anlagen stellt eine komplette Versiegelung der offenen Flächen dar, sondern ist eine Flächenumnutzung. Es ist unser Bestreben Flächen, die zuvor intensiv bewirtschaftet wurden für die Natur und den Mensch aufzuwerten. Dies geschieht durch naturschutzfachliche Untersuchungen und den Einsatz geeigneter Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität als auch die Einbindung regionaler Landwirte in der weiteren Flächennutzung und den umgebenden Mehrwert für Anwohner (bspw. Radwege, Picknickplätze, etc.). Da unsere Anlagen in einem Gesamtkonzept geplant werden, sind ökologische Ausgleiche außerhalb der Anlage meist nicht mehr nötig.

„Der bne und die Unterzeichner dieser Selbstverpflichtung sind der Ansicht, dass PV-Freiflächenanlagen im landwirtschaftlichen Kontext einzuordnen sind (sowohl Biodiversitäts-PV als auch Agri-PV) und daher eine eigene Flä-chenkategorie erhalten sollten, z.B. „Landwirtschaftsfläche mit gleichzeitiger energetischer Nutzung“ oder zunächst weiter als landwirtschaftliche Flächen ausgewiesen werden, sofern ihre vorherige Nutzung die Landwirtschaft ist. So würden sich viele Fragestellungen erheblich vereinfachen (z.B. Hofüberga-ben/Betriebsübergänge, Erbschafts- und Schenkungssteuerfragen, Landwirt-schaftsförderung, Biodiversitätsförderung im landwirtschaftlichen Kontext und ggf. auch die Nachnutzung nach Betriebsende der Solaranlage).“